Die Zither: Es braucht nur 3 Hände

Auf all unseren Fotos und Videos seht ihr das Instrument, dass jeden von uns dreien seit Jahren gefesselt hat. Auch wenn wir teilweise andere Instrumente als Kinder gelernt haben oder auch jetzt noch spielen, ist dieses eine Instrument doch etwas besonders.

Doch was macht die Zither so besonders?

Wenn ihr mich fragt, dann ist es der eigene Klang, mit dem meine Kinderlieder auf der Blockflöte vor 15 Jahren nicht mithalten konnten. Das Zitherspielen ist für mich ein Ausgleich von meinem Alltag, aber auch eine willkommene Herausforderung für mein Gehirn, da man fürs Zitherspielen drei Hände benötigt.

Ja – drei Hände. Wie das funktioniert?

Die Zither ist ein Saiteninstrument, mit 36 – 42 Saiten (je nach Bauweise des Instruments). Unterteilt sind die Saiten in Griffbrett- und Freisaiten. Die Griffbrettsaiten sind die ersten fünf Saiten, die über das Griffbrett gespannt sind. Ähnlich wie beispielsweise bei der Gitarre erzeugt man verschiedene Töne, indem man die Saite an verschiedenen Punkten mit den Fingern der linken Hand niederdrückt. Angeschlagen werden diese fünf Saiten mit dem Daumen der rechten Hand, auf dem ein Zitherring getragen wird. Die Freisaiten werden mit den restlichen Fingern der rechten Hand gespielt. 

Zither Hände scaled 5

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie oft wir stimmen müssen oder wie lange das dauert?

Wir stimmen immer – wirklich, andauernd. Der Klangkörper der Zither ist aus Holz, das sich bei Temperaturveränderungen leicht ausdehnt oder zusammenzieht, und sich somit die Saiten schnell wieder verstimmen (wie übrigens bei anderen Saiteninstrumenten auch!). Wind oder Zugluft trägt auch zu einem schnelleren Verstimmen der Saiten bei. Also zusammenfassend: wir stimmen oft und viel, mit der Zeit kommt man etwas in Übung und es kommt einem nicht mehr so vor, dass man länger das Instrument stimmt als darauf spielt.

Arten und Bauweisen

Oft wird von der Zither als ein Instrument an sich gesprochen, doch gibt es viele verschiedene Arten von Zithern. Auch wenn man in Mitteleuropa hauptsächliche die alpenländische Variante der Zither kennt, gibt es doch auf der ganzen Welt verstreut verschiedene Formen der Zither (China, Japan, Korea, Estland, Finnland, Iran, Indien). 

Es gibt auch verschiedene Bauweisen der Zither, bekannt sind vor allem die Harfenzither und die Konzertzither. Die am häufigsten gespielte Zither ist die Diskantzither, es gibt aber auch Elegiezithern (Altzither), Basszithern und Quintzithern. 

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    Konzertzither (Diskantzither)

Die Bauformen unterscheiden sich in ihrer Mensur (= die Länge die eine Griffbrett-Saite frei schwingt) und in der Tonhöhe. Die Harfenzither ist von der Konzertzither sehr einfach durch ihren geschwungenen Korpus, der einer Harfenform ähnelt, zu unterschieden. Alt- und Basszithern dienen als Begleitinstrumente und sind deshalb tiefer gestimmt (eine Quarte bzw eine Oktave). Sie haben haben auch eine längere Mensur, was sie für kleine Hände manchmal schwierige zu spielen macht, da Bünde am Griffbrett weiter auseinander liegen.  Eine Quintzither ist wiederum höher (eine Quinte) gestimmt eine auch kleiner gebaut.

Die Zither-Stimmung

Damit noch nicht genug! Es gibt zwei verschiedene Stimmungen der Zither. Die Münchner Stimmung (auch Standardstimmung oder Normalbesaitung genannt), die, wie der Name verrät, hauptsächlich in Bayern gespielt wird, aber auch im Westen Österreichs. Der Hintergedanke bei dieser Stimmung war, das Spielen klassischer Literatur auf der Zither zu erleichtern.

Im Osten Österreichs (Wien, Wien Umgebung, teilweise in der Steiermark) wird die Wiener Stimmung gespielt. Sie wird nur mehr selten gespielt und gelehrt. Neben der typischen Wiener Salon- und Schrammelmusik gibt es auch klassische Literatur, die speziell für die Wiener Stimmung geschrieben wurde. Darunter fallen zum Beispiel die „G’schichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauss (Sohn) oder auch die gesamte Filmmusik von „Der dritte Mann“ von Anton Karas (mit der weltberühmten Titelmelodie).

Die Wiener Stimmung hatte ihre Hochzeit Ende des 19. Jahrhunderts wo es in einigen Außenbezirken von Wien quasi zu einer Zither-Explosion gekommen ist – heute würde man Hype dazu sagen. Auch deshalb wurde die „Wiener Stimmung und Spielweise der Zither“ 2017 als immaterielles Kulturerbe der UNESCO aufgenommen.

Da wir auf der Wiener Besaitung spielen, möchte ich noch kurz auf ihre Besonderheiten eingehen, die den einzigartigen Klang ausmachen:

Während die Griffbrettsaiten der Münchner Stimmung auf a‘, a‘, d‘, g und c gestimmt sind, sind die der Wiener Besaitung auf a‘, d‘, g‘, g und c gestimmt. Die sogenannte Hilfssaite g‘ ist zu einem großen Teil für den einzigartigen, zweistimmigen Klang verantwortlich. Beim Anschlag erklingt zuerst die Haupt- und dann die Überstimme (in der Terz).

Quellen

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